Mittwoch, 12.09.2007 | Ponte Vecchio

Wie könnte Stufels besser an die Altstadt Brixen angebunden werden? Dieser Frage ging der junge Brixner Architekt Arthur Pichler nach und präsentierte einen überra-schenden Vorschlag, der zum Denken anregen soll.

Stufels ist zwar der älteste Teil Brixens, führt aber trotz der malerischen Schutzen-gelgasse ein Schattendasein neben der viel besuchten Altstadt. Das mag vielerlei Gründe haben: da ist zunächst die Schwelle über die höher gelegene Adlerbrücke zu überwinden und wer dort angelangt ist, schaut zwar interessiert in die Fluten des
Eisack, sieht aber den Verkehr aus den Rappanlagen in die Cesare-Battisti-Straße rauschen und folgert daraus, dass hier die Altstadt mit ihrer schönen Fußgängerzone beendet ist. Also umkehren! Wer trotzdem weiterspaziert, holpert über einen be-schwerlichen Bodenbelag durch eine ziemlich verödete Gasse und findet keinen
attraktiven Rundweg in die Altstadt zurück. Sowohl die Rappanlagen und die
Widmannbrücke als auch die Runggadgasse werden vom Autoverkehr gestört. Auch am Abend funzelt Stufels trübe vor sich hin, während die Altstadt im Licht erstrahlt. Die Folge: attraktive Geschäfte siedeln sich nicht in der Schutzengelgasse an, ein paar unentwegte Alteingesessene kämpfen ums Überleben und Newcomer schließen bald wieder. Das hat Stufels mit seiner Geschichte, seinen schönen
Fassaden und der romantischen Atmosphäre in der altstädtischen Raumfolge eigent-lich nicht verdient.

Lange Zeit war sie baufällig, nun wurde die Adlerbrücke renoviert, sehr schön wurden die schlanken tragenden Bauteile aus Stahl herausgearbeitet.
Dennoch bildet der Brückenübergang zwischen den Hotels „Goldener Adler“ und „Grünen Baum“ gewissermaßen ein „Loch“ im räumlichen Stadtgefüge, fand Architekt Arthur Pichler. Ein Loch, das unter anderem Grund für die funktionale Abtrennung Stufels’ von der übrigen Altstadt ist und das es zu füllen gälte. Dazu entwarf er auf eine Idee seines Kollegen Rudolf Unterrichter hin aus Begeisterung für die Situation und auf eigene Kosten Pläne für die Begleitung der Brücke mit Läden - nach dem Vorbild des Ponte Vecchio in Florenz oder der Rialto Brücke in Venedig. Pichler geht sogar soweit, diese Brückenbauten, die sich rechts und links der Fußwegsteige der Adlerbrücke anschließen sollen, zweigeschossig vorzusehen. Eine Fotomontage zeigt, dass sich tatsächlich ein geschlossener Straßenraum zwischen Adlerbrücken-gasse und Stufels ergibt, der zumindest optisch eine enge Verbindung beider Stadt-bereiche herstellt und auch funktional in eine dann mit Geschäften wohl ebenfalls belebtere Schutzengelgasse überleiten könnte.

Der Planer selbst betont, dass es sich bei seinem Vorschlag nur um einen Denkan-stoß handelt und um keine definitive architektonische Lösung. Ein Vorschlag, der bereits bei der ersten Anfrage von der Abteilung für Wasserschutzbauten des Landes abgelehnt worden ist. Dennoch würde es sich lohnen, weiter darüber nachzudenken. Es wäre durchaus zu überlegen, ob nicht zunächst einmal eingeschossige temporäre Bauten in Leichtbauweise rechts und links der Brücke angehängt werden könnten, etwa in der Art von Zeltkonstruktionen für Floh- oder
Wochenmarktnutzung, ganz locker und provisorisch, mit Durchblicken auf den Fluss in der Mitte. Oder so ähnlich. Wenn das vom Amt für Wasserschutzbauten angeführ-te Hochwasser mit einem Pegelstand des Eisackwassers von 50 Zentimeter über der Adlerbrücke Wirklichkeit würde, dann stünde die gesamte Brixner Altstadt unter Wasser und nicht nur die Bauten an der Brücke hätten nasse Füße, sondern so ziemlich alle Brixner. Wer kann sich eigentlich an ein solches Hochwasser in den letzten 30 Jahren erinnern? Stufels aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken wäre weitere Überlegungen zusammen mit der Gemeinde durchaus wert.



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Andreas Gottlieb Hempel
Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
Otto von Guggenberg Str. 46   I-39042 Brixen (BZ)   Italien
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