Mittwoch, 21.01.2009 | RAUM – ZEIT – FENSTER

Während in der künstlerischen Nach-Frosch-Zeit Südtirols sich viele Galerien um allgemein Bekömmliches bemühen und dabei auf vielfach Bewährtes und Bekanntes zurückgreifen, geht die kleine aber feine Galerie Schloss Velthurns ganz andere Wege: die Kunst des Innewerdens und Innehaltens.

Leider ist das internationale Kunstfestival Manifesta durch unzählige Leserbriefe zum „Frosch“ von Kippenberger, einem Hungerstreik vor dem Museum, den Papstbesuch und den Begräbnisfeierlichkeiten für Bischof Egger bisher kaum wahrgenommen worden. Das ist bedauerlich, weil die Manifesta sich vielfach auf die leisen Töne in der Kunst besinnt und damit den „Events“ entgegenwirkt, welche die Spaßgesellschaft ständig überflutet. So wurde darauf verzichtet, etwa die Franzensfeste mit  Kunstobjekten vollzustopfen sondern eine sensible Planung lässt das geschichtsträchtige Baukunstwerk für sich sprechen, vernehmbar nur für denjenigen der seine Sinnen schärft und genauer hinhört.

Genau das wird vom Besucher der am 22. September 2008 in der Galerie Schloss Velthurns eröffneten Ausstellung „Raum – Zeit –Fenster“ des Bozner Künstlers Albert Mayr aber erwartet denn sonst hört und sieht er fast nichts. Während der Galeriebesucher sonst gewohnt ist, die dort ausgestellten Kunstwerke zu betrachten, wird er hier aufgefordert nach Innen oder nach Außen zu schauen. Der Beitrag dazu von Albert Mayr besteht darin, dass er auf den quadratischen weißen Blättern, die er auf schwarzen Tafeln rhythmisch verteilt hat, kurze Hinweise zu geben - zum genaueren Hinsehen oder Hinhören ins Unsichtbare und in die Stille.

Und siehe da: tatsächlich tauchen im Besucher Bilder und Töne auf, sei es dass er nur aus dem Fenster des Schreiberhauses zum ehemaligen Sommersitz der Brixner Bischöfe hinüber schaut oder in der Stille des Raumes Schwingungen vernehmbar werden, die aus dem herrühren könnten, was im allgemeinen als „Sphärenklänge“ bezeichnet wird.

Entscheidend ist, dass durch diesen Ansatz der Hinweis von Beuys in Erinnerung gerufen wird, in jedem Menschen stecke ein Künstler. Ein Künstler kann aber nur sein, wer genauer hinsieht und hinhört um in sich dann Bilder und Töne aufsteigen zu lassen, die nach draußen zur Verwirklichung drängen oder eben auch von Außen nach Innen Einlass finden um Teil des Lebens zu werden, Lebenskunst.

Albert Mayr ist eigentlich Komponist, Musiker, der auf den experimentellen Gebieten von Musik und Kunst, den Klanglandschaften und des Zeit-Designs, der Beobachtung von Zeit, Rhythmus und Klang in der Natur und in den Siedlungsräumen tätig ist. Für den Sender Bozen realisierte er den experimentellen Dokumentarfilm „Von Zeiten und Leuten: am Beispiel Sarntal“. Mit der Ausstellung „Raum – Zeit – Fenster“ hat er einen Raum geschaffen, in dem der Betrachter Zeit finden kann Fenster zu sich selbst und nach draußen zu öffnen. Das ist Kunst, die bewegt und nicht nur konsumiert werden will.

Den Veranstaltern, der Gemeinde Feldthurns mit Marisa Torggler, dem Tourismusverein und dem Südtiroler Künstlerbund ein großes Kompliment dafür aber auch Dank  an Bürgermeister Herbert Dorfmann, Andreas Hapkemeyer vom Museion Bozen, Silvia Bordini von der Universität Rom und Architekt Raimund Gross vom Südtiroler Künstlerbund für ihre sensiblen und nachdenklichen Einführungsworte.

Andreas Gottlieb Hempel   3.338 Zeichen mit Zwischenräumen



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Andreas Gottlieb Hempel
Prof. Dipl.-Ing. Architekt & Publizist
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